Das Albumcover "Georgia Drift" von Mitch Ryder ist weiß und goldenem Staub bedruckt. Außerdem stehen in der Mitte des Covers der Album- und Bandname.

Album der Woche

Mitch Ryder mit „Georgia Drift“

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Jimi Hendrix wollte mit ihm eine Band gründen. John Lennon rettete ihm das Leben. Bruce Springsteen ist so ein großer Fan von ihm, dass er regelmäßig mit einem Medley von seinen Songs seine Bühnenshow beendet. Mitch Ryders neuestes Album heißt „Georgia Drift“ und ist unser Album der sechsten Kalenderwoche.

Rockmusiker Mitch Ryder ist mittlerweile 77. In den 61 Jahren als aktiver Musiker, war er äußerst produktiv. „Georgia Drift“ ist sein mittlerweile 32. Album. Mit seiner Band, den Detroit Wheels, spielte Mitch Ryder in den 1960ern feinsten Rock’n’Roll. Hits wie „Devil With The Blue Dress“ ,Sock It To Me Baby oder „Jenny Take A Ride“ machten ihn weltweit bekannt. Nach ein paar erfolglosen Jahren konnte er Ende der 70er vor allem in Europa ein Comeback feiern.

Der US-Amerikaner, der mit bürgerlichem Namen William Levise Jr. heißt, ist in Deutschland vor allem aber wegen eines legendären Auftritts im Gedächtnis geblieben. 1979 trat er in Essen in der TV-Sendung „Rockpalast“ betrunken auf und legte sich nicht nur mit Moderator Alan Bangs, sondern gleich mit dem ganzen Publikum an.

Für Mitch Ryder war es der Beginn einer engen Beziehung zu Deutschland. In der Retroperspektive bekennt er demütig: „Diese Nacht war für mich eine Chance, wie man sie vielleicht nur einmal im Leben bekommt.“ In Amerika wollen seine Fans vor allem die alten Hits aus den Sechzigern hören. Mitch Ryder: „In Europa mache ich völlig andere Musik. Hier erlaubt man mir, Künstler zu sein. Deshalb liebe ich Europa.“ Seit 29 Jahren wird er in Europa von der Berliner Band „Engerling“ begleitet. Der erdige Rhythm & Blues der Berliner Band und die raue, mit Whiskey getränkte Stimme von Mitch Ryder passen perfekt zusammen. Mittlerweile ist Ryder trocken geworden und lässt es auf seiner neuen Platte etwas ruhiger angehen.

„Mitch Ryder ist einer der aufregendsten Sänger, der seit langer Zeit aus der Musikszene aufgetaucht ist“,

sagte Rolling-Stones-Gitarrist Keith Richards 1965 über Mitch Ryder.

„Georgia Drift“ ist, wie der Name es schon verrät, vom „Southern Soul“, inspiriert und mehr Laid back als seine früheren Alben. Ryder selbst, der vor einiger Zeit seinen Lebensmittelpunkt von Michigan im Norden nach Georgia im tiefsten Süden der USA verlagert hat, nennt das Album „eine Reflektion meiner musikalischen Ausrichtung seit meinem Umzug.“

Mitch Ryders Gesang steht vor allem im Mittelpunkt des Albums. Seine dunkle, rauchige Stimme ist immer noch so markant und einzigartig wie vor 60 Jahren schon. Alle zwölf Songs sind mit nur einem Wort im Titel ausgestattet. Damit will er wohl seine Musik auf das Existenzielle herunterbrechen, auf sein Leben und seine Gefühle zurückschauen.

Mitch Ryder ist eine lebende Legende im Kosmos der Soulmusiker*innen. Neben Musikgrößen wie James Brown, Sam Cooke und Ray Charles ist er Teil der „Rhythm & Blues Hall of Fame“.

Beautiful

„Beautiful“ ist der erste Track des Albums und ein toller Einstieg. Der Song versetzt einen ab Sekunde eins sofort in Sommerstimmung. Er sticht zudem besonders heraus, da etwa ab der Mitte ein tolles Gitarrensolo erklingt.

Naked

„Naked“ ist eine rockige Ballade mit Blues- und Latinoeinflüssen. Der Track erinnert stark an den Mitch Ryder vergangener Tage.

Mask

Neben Ryders tiefer, rauchiger Stimme erklingen auf „Mask“ noch ein Gospelchor, ein Gitarrensolo und eine Geige. Der Track löst sofort gute Laune aus und animiert zum Mitwippen.

Salvation

„Salvation“ ist sein stärkster und gleichzeitig der emotionalste Song des ganzen Albums. Gitarren-Riff, Geige und Mitch Ryders Stimme harmonieren toll miteinander und machen Track neun zum Höhepunkt des Albums.

Jack

„Jack“ ist eine berührende Ballade, bei der Mitch Ryders Stimme lediglich von Klavier und Violine begleitet wird. Dadurch bekommt seine markante Stimme noch mehr Raum, sich zu entfalten.

Mitch Ryder ist ab dem siebten September auf Deutschlandtour.

Unsere weiteren Alben der Woche findet ihr hier.

Autor: Moritz Steidl