Das Albumcover "Into The Ether" von Franc Moody zeigt eine animierte Wüste mit einer Bushaltestelle, einem Kaktus und Bergen. Im Hintergrund sind auch ein Mensch und der Mond zu erkennen.

Album der Woche

Franc Moody mit „Into the Ether“

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Ätherisch-psychedelische Sounds, dazu Disco-Flair und Bass-Lines, wie wir sie zum Beispiel von den Red Hot Chili Peppers kennen. So oder so ähnlich lässt sich „Into the Ether“, die neue Platte der Band Franc Moody und unser Album der 39. Kalenderwoche, in einem Satz beschreiben.

Das dritte Album der Londoner ist noch spaciger und ausgefallener als die ersten beiden Platten. Die Band sagt, das liege vor allem an der gedrückten und eingeengten Stimmung, die sie im Lockdown erlebt haben. Jon Moody, die eine Hälfte von Franc Moody, erklärt den Sound von „Into the Ether“ durch die romantisierte Überhöhung des Touralltags und der Flucht vor dem dystopisch-pandemischen Alltag.

Franc Moody malen musikalische Bilder

Touralltag haben er und Ned Franc sich während der Pandemie sehnlichst zurückgewünscht. Die beiden mussten nach ihrem 2020er Album coronabedingt drei US-Touren absagen. Die verlorengegangene Zeit on the road können Franc Moody zwar nicht zurückholen, allerdings haben sie 2022 schon wieder Konzerte in Amerika spielen können und eine komplett ausverkaufte Tour hinter sich.

Beim Hören von „Into the Ether“ fällt vor allem der Sound auf. Die Londoner zeichnen mit ihrer Musik Bilder bei den Hörer*innen, die zum Träumen und Entspannen einladen. Die einzigartige Mischung aus Funk und Disco klingt nicht nur gut, mit diversen audiophilen Spielereien erzeugen Franc Moody beim Hören zusätzlich gute Laune und bringen nebenbei noch etwas Message in ihren Songs unter.

Das Foto zeigt die sechsköpfige Liveband von Franc Moody vor einem Wüstenhintergrund. Sie stehen nebeneinander und gucken in verschiedene Richtungen.
Seit Ende 2017 hat das Duo auch eine Liveband und so wird aus Franc Moody auf Tour eine sechsköpfige Gruppe. Foto: William Spooner

Mit der ersten Single „Mass Appeal“ kritisieren sie Trends und den übertriebenen Konsum im Kapitalismus. Dabei nutzen Franc Moody die sich im Refrain mehrfach wiederholende Lyrics „I want it“, die andeutet, wie konsumversessen wir Menschen sein können. Der Song klingt maschinell und industriell, kein Zufall, schließlich versuchen Ned Franc und John Moody „ein Gefühl der Massenproduktion und des Anti-Individualismus zu vermitteln“.

Einzigartiger Sound

Auch in „I’m In A Funk“ kreieren die Londoner individuelle Sounds. Der Gesang erinnert mit seiner Dreistimmigkeit an alte R&B-Hits, während der Text wieder die Pandemie-Umstände ins Gedächtnis ruft. Abgestumpft und ausgezehrt fühlt man als Hörer*in das „I’m in a funk and I need somebody; nothing at all“, das Franc Moody im Refrain singen, sehr gut.

Klanglich ist das Album großartig produziert. Gerade der Bass ist eine Offenbarung und macht mit den grandios geschriebenen Basslines fast noch mehr Spaß beim Hören als die Lyrics oder die musikalischen Stilmittel. Aber auch anderweitig kann das Album mehr als nur überzeugen. Die zwischenzeitlichen Lo-Fi Passagen klingen gut, sind passend eingesetzt und wirken so nicht wie der Versuch, einem Trend (Lo-Fi Girl) hinterherzulaufen, sondern wie ein klug gesetztes musikalisches Stilmittel. Das extra engagierte Orchester ist zu all dem genannten noch das Sahnehäubchen. Franc Moody liefern mit „Into the Ether“ eine grandiose Platte, die nicht nur Genregrenzen sprengt, zum Mitträumen anregt oder zum Mitwippen animiert, sondern sogar noch überragend klingt und musikalisch diverse Leckerbissen auftischt.

Unsere weiteren Alben der Woche findet ihr hier.

Autor: Patrick Preis